Die 4. Industrielle Revolution

23.07.2013

Trotz steiler Wachstumsraten des eCommerce sind die Trend- und Zukunftsforscher in der Handelsbranche überzeugt, dass wir auch in Zukunft stationäre Läden haben werden.
Diese stationären Läden werden sich durch drei wesentliche Merkmale von der heute gängigen Ladenausstattung unterscheiden.

  • Die Verknüpfung von Online- und Offlinehandel am oder um den POS fordert die gelungene Integration benutzerfreundlichster Onlinemedien in die Ladenbauarchitektur.
  • Die Läden werden aufwändiger, individueller und gegebenenfalls auch regionaler ausgestattet.
  • Es wird eine Erlebniswelt für die Marke geschaffen, die beim Konsumenten als fester Bestandteil der Freizeitgestaltung immer mehr Bedeutung gewinnt.

Die dafür erforderlichen höheren Einrichtungskosten gehen zu Lasten der Gesamtladenbaufläche, die rückläufig sein wird. Die emotional aufgeladenen Markenstores der Zukunft werden sich in den Premiumlagen der Einkaufszentren und Einkaufstraßen unserer Großstädte befinden. Ländliche Regionen und Kleinstädte werden mehr und mehr von dieser Entwicklung abgehängt. Für den Ladenbauer wird die Chance zur Replikation eines einmal erarbeiteten Einrichtungskonzeptes dadurch immer weiter zurückgehen. Große Serien werden kleiner, kleine Serien werden durch zunehmendes "customizing" zur Losgröße 1.

Die Fertigung neu aufstellen

Während kleinere Unternehmen auf die Nische der Individualfertigung schon immer spezialisiert waren, heißt es für die großen Ladenbaubetriebe zukünftig ihre Fertigung umzurüsten. Die seit 2010 laufende Initiative der 4. Industriellen Revolution zeigt hierfür vielversprechende Lösungsansätze auf. Die Maschinen der Zukunft sind geprägt von der Verschmelzung der physikalischen mit der virtuellen (Cyber) Welt und heißen deshalb "Cyber Physikal Systems" kurz CPS. Auf diesen Anlagen gibt nicht mehr das gewählte Bearbeitungsprogramm vor, wie eine Vielzahl gleicher Teile bearbeitet werden sollen.

Bei den CPS-Anlagen übermittelt jedes einzelne heterogene Bauteil per Barcode, NFC oder Chip der Maschine, wie es individuell bearbeitet werden soll und die Maschine rüstet sich im Fertigungstakt darauf um. Die erfolgreiche Bearbeitung, die benötigte Arbeitszeit, bzw. auftretende Probleme oder Engpässe werden durch eine Vielzahl von Sensoren erfasst, überwacht  und soweit möglich in Echtzeit behoben oder optimiert.
Das "Internet der Dinge" verknüpft die Produktionsanlagen mit dem System des Maschinenherstellers, der automatisiert Störungen bearbeitet, Ersatzteillieferungen auslöst und Programmupdates durchführt. Eine durchgängig verknüpfte und eng in den Fertigungsablauf eingebundene Ressourcensteuerung weist im Voraus oder spätestens in Echtzeit auf Probleme und Engpässe hin. Sie schlägt die entsprechende Lösungsansätze vor oder setzt diese schon automatisiert innerhalb bestimmter Parameter um. Enge Lieferterminkonstellationen können anhand der realen derzeitigen Auslastungssituation simuliert werden und schaffen so Transparenz darüber, zu Lasten welcher bereits eingelasteten Aufträge eine bestimmte Terminkonstellation noch erfüllt werden kann.

Produziert wird "just in time" und "on demand"

Die Produktion auf Lager wird abgelöst, die Zukunft gehört der nachhaltigen "just in time" und "production on demand"- Fertigung. Diese Entwicklung bringt natürlich große Veränderungen für die gesamte Lagerwirtschaft mit sich. Diese hocheffizienten Produktionsanlagen arbeiten sehr ressourcenschonend, sind sekundenschnell flexibel und passen sich adaptiv an die Auslastung und damit den tatsächlichen Bedarf an. Zusammengefasst ist das Ziel der 4. Industriellen Revolution die Herstellung der Losgröße 1 zu den heutigen Kosten des Serienproduktes. Damit zeigt diese Revolution der Produktionsprozesse Lösungen auf, wie die sich verändernden Anforderungen des Handels an die Ladenausstattung der Zukunft durch die Ladenbauer wirtschaftlich realisiert werden können.

Quelle: INSIDER Informationen des dlv-Netzwerk Ladenbau e.V.
Autor: Daniel Erhardt, dlv-Vorstandmitglied