Modernisierung der Oberflächenbeschichtung

01.09.2011

Schon vor 7500 Jahren wurden in China Lacke zur farblichen Gestaltung von Kunstgegenständen und als Schutzüberzug in der Architektur und für Gebrauchsgegenstände aller Art eingesetzt.
Im Barock wurden die fernöstlichen Lackiertechniken auch in Sachsen große Mode und fanden weite Verbreitung in den Bauten und Kunstschätzen des berühmten Sachsenkönigs August dem Starken.

Auch bei der Firma LIGNEUS wurde kontinuierlich in die Oberflächenbeschichtungstechnik investiert, um die Möbel und Ladeneinrichtungsteile in stets hoher Qualität und doch wirtschaftlich effizient zu lackieren.
So wurde 1997 ein Handspritzstand mit Wasserwand gebaut, der die Lacknebelpartikel in einem Wasserschleier band.
2002 wurde ein Venjakob Spritzroboter mit Superfici Hochtrocknungsofen und doppelter UV Lichtaushärtungsschleuse angeschafft.
Dann rückten mit der Umsetzung der VOC Richtlinie zunehmend auch Emissionsschutzgesichtspunkte verstärkt in den Focus.
Das Unternehmen entschied sich 2005 dafür, die bisher ausschließlich lösemittelhaltigen Beschichtungsstoffe wo irgend möglich durch umweltfreundlichere Lacke auf Wasserlösemittelbasis zu ersetzen.

Eine stetige Marktnachfrage nach Hochglanzmöbellackflächen führte dazu ein Konzept für die Umstellung der bestehenden Oberflächenabteilung in eine Reinraumfertigung zu erarbeiten. 
2010 wurde für den Arbeitsgang Schleifen eine spezielle Kabine der Firma Nestro angeschafft, bei der die gereinigte vorgewärmte Frischluft von der Decke eingeblasen und die staubgeschwängerte Luft aus dem Arbeitsbereich durch gefilterte Fußbodenroste in einem linearen Strömungszug abgesaugt wird. 
Die Spritzkabine wurde durch eine Doppeltürschleuse von der Fertigung abgekoppelt.
Für die Aushärtung der frisch lackierten Flächen wurde ein Trockenraum gebaut, der durch das Einbringen vorgewärmter Frischluft und der Absaugung der lösemittelgesättigten Abluft zu deutlich schnelleren Trockungs- und Aushärtungsprozessen führte.
Im gesamten Oberflächenbereich wurden bauliche Vorsprünge und Ablageflächen wo irgend möglich reduziert und was an Installationen möglich war, flächenbündig in die Wand integriert, um die Staubablageflächen zu reduzieren. Ein eng getaktetes Reinigungsintervall sorgt dafür, dass sich Schmutz und Stäube nicht so ablagern können, dass es zu Partikelaufwirbelungen kommen kann.

Das damit erzielte Oberflächenergebnis überstieg qualitativ alle Erwartungen und die Verunreinigungen von Lackflächen durch Staubkörner und auch die Bearbeitungsdauer der Oberflächenbeschichtung ging signifikant zurück.

Da aber die Luftströmungen auf dem Handspritzstand vor der Wasserwand trotz aller getesteten Nachrüstungen den entstehenden Overspray nicht zuverlässig genug abführten und das Wasser der Wasserwand durch den Einsatz wechselnder Lösemittelsysteme stark mit Chemikalien versetzt werden musste, wurde 2011 auch noch in eine neue Trockenabsaugspritzkabine der Firma Nestro investiert.

Die klare vertikale Luftströmungsführung von der Decke zu den Filterrosten im Fußboden greift den beim Spritzen entstehenden Overspray auf und führt ihn auf kürzestem Weg in die Filter der Fußbodenplatten. Die Abluft wird durch mehrere Filterstufen gereinigt, läuft über ein Wärmetauscherrad und erwärmt dort die Zuluft bevor sie über eine den strengsten Umweltschutzauflagen entsprechende Esse emittiert wird.
Durch das Wärmerad werden Energieeinsparungen bis zu 70% ermöglicht.
Was bisher als Lackschlämme in Form von Sondermüll entsorgt werden musste, wird jetzt durch die Filter gebunden und ist damit sogar für die reguläre Entsorgung mit Hausmüll zugelassen.
Auch für die Lackierer war  die Verbesserung der Arbeitsqualität sofort deutlich.
Zwar müssen zum Lackieren noch immer entsprechende Filtermasken getragen werden aber es war deutlich sichtbar wie sauber die neue Absauganlage den ganzen Lackierbereich jetzt hält.

Der letzte Baustein in diesem Investitionsprojekt von ca. einer halben Mio Euro ist der Austausch der Breitbandschleifmaschine gegen ein Modell mit mehreren Quer- und Längsbändern um die Holzflächen durch entsprechende Feinschliffe besser für den Hochglanzauftrag vorbereiten zu können.  Die neue Schleifmaschine der Firma Heesemann wird zum Jahresende 2011 aufgestellt werden.

Damit spielt LIGNEUS jetzt in der 1. Liga wenn es darum geht, zukünftig edelste Hochglanzlackflächen in Boutiquen und Hotels herzustellen und nach Europa und weltweit zu liefern.
Das Unternehmen knüpft damit an die lange Tradition der lackierten Oberflächen "Made in Saxony" an.